Nachdem aus den beiden vorangegangenen Spielen gegen Rottleberode (1:2, Torschütze: Martin Pietz) und Bräunrode (1:4, Torschütze: Martin Pietz) zum Teil unglücklich keine Punkte für die Quenstedter Eintracht heraussprangen, kam es nun vergangenen Samstag am heimischen Sportplatz am Anger zu einem wahren „Do or Die“- Spiel. Man empfing mit der Vertretung von Möve Riethnordhausen einen Vertreter aus dem unteren Tabellendrittel und genau dies sind die Spiele, die zwangsläufig gewonnen werden müssen, falls man mindestens noch Uftrungen in der Tabelle überholen möchte. Somit war die Marschrichtung von Trainer Lars Kühne unmissverständlich klar. Seine Mannen sollten auf den Leistungen der letzten Spiele aufbauen und den zweiten Sieg in der Rückrunde landen.

Dieses Unterfangen wurde allerdings einmal mehr von mehreren kurzfristigen Absagen getrübt. So fielen nicht nur die beiden Torleute André Weidl und Marcus Winter, sie wurden von „Aushilfshüter“ Rene Schillinger vertreten, der unmittelbar vor dem Spiel der Ersten schon 90 Minuten für die Zweite auf dem Platz stand, aufgrund von Verletzungen aus, sondern auch Andreas Ulrich, der gegen Rottleberode und Bräunrode bärenstärke Spiele ablieferte, musste Samstagmorgen kurzfristig absagen. Aufgrund dessen blieb Coach Kühne nichts anderes übrig, als besonders in der Defensive wieder einmal auf mehreren Positionen umzustellen. Trotz alledem kam die Eintracht besser in die Partie und konnte die ersten wichtigen Zweikämpfe allesamt für sich entscheiden. Den Gast hielt man dadurch gut auf Distanz zum eigenen Tor und nach vorne setzte man in den ersten 20 Minuten den ein oder anderen Nadelstich, biss sich bei den Torschüssen allerdings die Zähne an Oliver Störmer aus. Die beiden besten Möglichkeiten hatten hier Martin Göppert per Freistoß und Tony Elschner nach einem schnell ausgeführten Einwurf von Sebastian Kühne. Zweimal fand man den Sieger der Duelle zwischen den Pfosten der Auswärtsmannschaft.

Als das Spielniveau zusehends verflachte und man getrost von einem schlechten Fußballspiel reden konnte, erwischte Quenstedt wieder einmal eine kalte Dusche. Ein Freistoß von der Mittellinie segelte Richtung Tor von Schillinger zu. Der Ball sprang im Strafraum einmal auf und veränderte dabei entscheidend die Flugkurve. Schillinger, ob dieses Platzfehlers überrascht, blieb nichts weiter übrig, als den Ball über sich hinweg segeln zu sehen. Somit kam die Möve ohne Torschuss und eigentlich auch ohne nennenswerte Chance zur 1:0 Führung (34′). Die Eintracht war nun geschockt und taumelte wie ein angeschlagener Boxer der Halbzeit entgegen. Man hatte wahnsinniges Glück, dass man nicht noch das 2:0 vor der Pause kassierte. Jedoch war man hier mit Fortuna im Bunde, es sollte nicht das letzte Mal an diesem Nachmittag sein, und zwei Schussversuche innerhalb von zehn Sekunden landeten jeweils am Pfosten. Quasi mit dem Halbzeitpfiff kam Quenstedt, ähnlich glücklich und unerwartet wie Riethnordhausen zehn Minuten zuvor, zum Ausgleich. Die Nachspielzeit des ersten Abschnitts lief schon, als Göppert einen Freistoß aus dem Halbfeld in den Strafraum der Gäste hob. Störmer, möglicherweise von der Sonne geblendet, irrte in seinem Strafraum umher und segelte unter der Freistoßflanke hindurch. Nutznießer dieses Tormannfehlers war Frank Uhlig, der sich mit etwas Glück im Luftzweikampf durchsetzen und zum Ausgleich einköpfen konnte (45′). Mit dem Remis gingen beide Teams in die Kabinen.

Für den zweiten Abschnitt hatte sich die Eintracht einiges vorgenommen und begann dementsprechend druckvoll. Bereits in der 50. Spielminute gelang Quenstedt der Führungstreffer. Nach einem Freistoß vom rechten Strafraumeck, getreten von Uhlig, bewies Stürmer Andreas Bubel seine Torjägerqualitäten und setzte sich im genau richtigen Moment von seinem Bewacher ab. Auch der überlegte Abschluss aus äußerst spitzen Winkel durch die Beine von Störmer war sehenswert und wurde mit dem 2:1 belohnt. Wer jetzt allerdings dachte, dass die Heimmannschaft diesen Schwung weiter in die Partie transportieren kann, sah sich getäuscht. Stattdessen dauerte es nur zwei Minuten, ehe Rio in Person von Martin Ditscher ausgleichen konnte. Per einfachen Doppelpass wurde die gesamte Defensive ausgehebelt. Im Vorfeld gab es natürlich artig Geleitschutz für den Angreifer des Tabellenzwölften, ohne auch nur nennenswert einen Zweikampf geführt zu haben. Das Momentum kippte vollends nach einer gespielten Stunde, als Rio’s Gebser nach einem kapitalen Fehler von Wohlfarth im 1-gegen-1 cool blieb und Rene Schillinger keine Chance ließ – Riethnordhausen hatte die Partie gedreht (60′).

In den folgenden 30 Minuten verpasste es der Gast fast schon amateurhaft, den Sack zuzumachen und Quenstedt den Gnadenstoß zu versetzen. Stehend K.O. ließ die Eintracht Angriff um Angriff über sich ergehen. Einzig die Defensivspieler Edler, Wechselberger und Kühne stemmten sich mit teilweise waghalsigen Tacklings gegen das drohende Unheil. Es grenzt auch schon fast an Lächerlichkeit, was für Chancen der Gast in der Zeitspanne 60.-90. Minute vergab. Mehrmals traf man Aluminium oder scheiterte gefühlt fünf Meter vor dem leeren Tor. Auch einige Überzahlsituationen ließ man fahrlässig liegen. Und wie es im Fußball oftmals so ist, wenn man vorne die Chancen nicht nutzt, bekommt man sie hinten rein. Eigentlich war von Quenstedt, was die Offensivbemühungen angeht, nichts mehr zu sehen. Einmal kam man allerdings noch vor das Tor der Möve. In der Nachspielzeit der zweiten Halbzeit schlug Pietz einen letzten Eckball in den Strafraum des Gastes. Dort setzte sich Edler durch, produzierte aber eher eine Kerze als einen druckvoll Kopfball Richtung gegnerisches Gehäuse. Oliver Störmer wollte den Ball nun locker aus der Luft fischen, wurde im Fünfmeterraum bei diesem Versuch allerdings (höchst fragwürdig) von Tony Elschner gestört/behindert. Störmer ließ den Ball wieder fallen, dieser prallte auf die Hacke von Elschner und von dort irgendwie über die Linie. So ziemlich jeder erwartete nun den Pfiff von Schiedsrichter Kagelmacher, der das regelwidrige Behindern des Tormanns im Fünfmeterraum signalisieren sollte. Seine Pfeife blieb jedoch stumm. Stattdessen zeigte er zum Mittelpunkt und entschied auf einen regulären Treffer. Anschließend sah er sich einem Entrüstungssturm der Spieler und Verantwortichen Riethnordhausen’s ausgesetzt. Die Partie pfiff er gar nicht mehr an.

Fazit: Glücklicher kann man nicht zu einem Punktgewinn in der Kreisoberliga kommen. Sowohl spielerisch als auch kämpferisch zeigte die Eintracht nicht ihr wahres Gesicht. Dass es besser geht, bewies man in eigentlich allen zuvor ausgespielten Partien der Rückrunde. Doch diese Begegnung offenbarte ein Zurückfallen in alte Muster. So kann man eigentlich keinen Punkt holen, verdient war er allemal nicht. Einzig fast schon unverschämten Glücks und einer krassen Fehlentscheidung des nicht immer souverän auftretenden Schiedsrichters war es zu verdanken, dass die Eintracht den Abstand auf Uftrungen sogar um eben jenen Punkt verringern konnte. Insofern darf man dann auch nicht das Positive des vergangenen Spieltags übersehen, nämlich ein Punktgewinn in einer Partie, in der du eigentlich keinen Punkt verdient hast. Möglicherweise ist genau dieser Punkt noch goldwert.

Dass es die Mannschaft besser kann, muss sie definitiv kommenden Sonntag beweisen, wenn man sich mit dem Tabellenführer und klaren Aufstiegsfavoriten Wippra misst.

Aufstellung: R. Schillinger – S. Kühne (79. Min L. Kühne), A. Edler (C), F. Wechselberger, S. Wohlfarth – T. Elschner, M. Göppert, M. Pietz, F. Neumann (75. Min A. Otto) – F. Uhlig (65. Min N.L. Böhm), A. Bubel
Außerdem: Marcus Winter

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